Papst an deutsche Katholiken: Keine zweite evangelische Kirche

Rom (dpa) – Papst Franziskus hat die deutschen Katholiken vor zu drastischen Veränderungen gewarnt. «Ich sage den deutschen Katholiken: Deutschland hat eine großartige evangelische Kirche, aber ich möchte keine weitere, denn die wird nicht so gut sein», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Rückflug von seiner Bahrain-Reise nach Rom am Sonntag vor Journalisten. Er wolle, dass die katholische Kirche katholisch bleibe.
Der Vatikan verfolgt mit kritischem Blick die Entwicklungen in der deutschen katholischen Kirche, die mit dem sogenannten Synodalen Weg weitreichende Reformen anstrebt, wie etwa Frauen in höheren Kirchenämtern zuzulassen. Aus Rom erreichte die deutsche Kirche bereits im Juli ein Schreiben des Staatssekretariats, in dem der Vatikan die Reformer zurechtwies: «Der Synodale Weg in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten.»
Man verfalle zu sehr in moralische und kirchenpolitische Diskussionen, die nicht der Kern der Theologie seien, erklärte der 85 Jahre alte Franziskus. «Die Wurzel der Religion ist die Ohrfeige, die dir das Evangelium gibt», sagte der Argentinier. Daraus folge alles Weitere. Der Pontifex empfahl der deutschen Kirche stattdessen, sich wieder mehr um das Befinden der Gläubigen zu kümmern.
