8. November 2020 – «Historischer Erfolg»: Glückwünsche an Biden aus aller Welt

Joe Biden hat die US-Präsidentenwahl gewonnen, Donald Trump seine Niederlage aber noch nicht eingestanden. Kann man da schon gratulieren? Für sehr viele Staats- und Regierungschefs ist die Antwort ziemlich klar.

Nach seinem Zittersieg über Donald Trump bei der Präsidentenwahl hat Joe Biden Glückwünsche aus aller Welt erhalten. In Deutschland sorgte die Entscheidung der Amerikaner parteiübergreifend für Erleichterung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an den 77-Jährigen, dass mit seiner Wahl «die Hoffnung auf Verlässlichkeit, Vernunft und die beharrliche Arbeit an Lösungen in einer unruhigen Welt» verbunden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte Biden «von Herzen Glück und Erfolg» und Außenminister Heiko Maas warb für einen «Neuanfang» in den schwer angeschlagenen deutsch-amerikanischen Beziehungen.

07.11.2020, USA, Philadelphia: Zwei Frauen feiern im Auto mit einer Pappfigur von Biden nach der Präsidentschaftswahl. Biden besiegte am Samstag Präsident Trump und wird damit der 46. Präsident der Vereinigten Staaten.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hofft nach dem Sieg Bidens darauf, die Beziehungen zwischen Nordamerika und Europa weiter verbessern zu können. «Die Führung der USA ist in einer unberechenbaren Welt so wichtig wie eh und je», sagte er. Eine starke Nato sei gut für Nordamerika und gut für Europa. Trump hatte die Nato in Frage gestellt, Biden hat sich klar zu ihr bekannt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, dass die EU und die USA in der Vergangenheit eine beispiellose Partnerschaft aufgebaut hätten, die auf den gemeinsamen Werten Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, sozialer Gerechtigkeit und einer offenen Wirtschaft beruhe. «Während sich die Welt weiter verändert und sich neue Herausforderungen und Möglichkeiten auftun, wird unsere erneuerte Partnerschaft von besonderer Bedeutung sein», schrieb sie.

EU-Ratschef Charles Michel äußerte sich vorsichtiger und verwies darauf, dass die Ergebnisse der US-Wahl erst noch bestätigt werden müssten. Dennoch gratulierte er Biden und dessen künftiger Vizepräsidentin Kamala Harris.

Nach Angaben aus EU-Kreisen gab es innerhalb der Europäischen Union eine Abstimmung darüber, zu welchem Zeitpunkt eine Gratulation angebracht ist. Um 19.00 Uhr deutscher Zeit fiel die Entscheidung – eineinhalb Stunden nachdem klar war, dass Biden uneinholbar vor Trump liegt. Der amtierende Präsident hat allerdings in mehreren Bundesstaaten juristische Schritte gegen die Ergebnisse oder die weitere Auszählung abgegebener Stimmen eingeleitet.

Vielleicht auch deswegen gratulierten am Samstag noch nicht alle Staats- und Regierungschefs. Aus China, Russland und Israel kamen zunächst noch keine Glückwünsche, dafür aber aus Ägypten, Libyen und dem Libanon, aus Kanada, Neuseeland, Indien oder auch Pakistan.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson würdigte die Wahl von Biden und Harris als «historischen Erfolg». «Die USA sind unser wichtigster Verbündeter», schrieb er auf Twitter. In Großbritannien vermuten Kommentatoren, dass die Wahl auch die Verhandlungen um einen Brexit-Handelspakt zwischen Brüssel und London fördern könnte. Biden gilt als EU-freundlich, Trump wollte hingegen ein lukratives Handelsabkommen mit Großbritannien abschließen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: «Wir haben viel zu tun, um die heutigen Herausforderungen zu bewältigen. Lasst uns zusammenarbeiten!»

Polens Staatsoberhaupt Andrzej Duda gratulierte Biden lediglich zu seiner «erfolgreichen Präsidentschafts-Kampagne». Man warte nun auf die Nominierung durch das Wahlkollegium, schrieb er auf Twitter. Polen sei entschlossen, die strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern auf hohem Niveau für eine noch stärkere Allianz aufrechtzuerhalten. In Polen ist Trump vergleichsweise beliebt. Er hat das Land mehrfach besucht und unter anderem die Aufstockung der US-Truppen dort zugesagt.