29. September 2020 – Karabach-Konflikt: Armenien wirft Aserbaidschan massive Angriffe vor

Das armenische Verteidigungsministerium hat dem Militär Aserbaidschans massive Angriffe im Süden und im Nordosten der Konfliktregion Berg-Karabach vorgeworfen. Die Armee der international nicht anerkannten Republik Berg-Karabach halte den gegnerischen Attacken aber bisher stand, teilte Ministeriumssprecher Arzun Owannissjan am Montag in Eriwan mit.

Start einer aserbaidschanischen Rakete von einem Raketenwerfer an der Kontaktlinie der selbsternannten Republik Berg-Karabach – Foto: Uncredited/Azerbaijan’s Defense Ministry/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Armee in Karabach meldete am Abend den Abschuss eines aserbaidschanischen Militärflugzeugs. Baku wies das zurück. Die Konfliktparteien gaben sich gegenseitig die Schuld am Wiederaufflammen der Kämpfe. Die verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken verhängten den Kriegszustand.

In der Hauptstadt Stepanakert in Berg-Karabach drohte Parlamentschef Artur Towmassjan angesichts der am Sonntag begonnenen Angriffe damit, die Verteidigungskämpfe auf aserbaidschanisches Gebiet auszudehnen. Die Streitkräfte hätten in der Vergangenheit immer wieder ihre Schlagkraft unter Beweis gestellt. Gemeinsam mit der Türkei habe sich Aserbaidschan für die Sprache der Gewalt entschieden und nicht für den Verhandlungsweg, kritisierte er.

«Dieser Krieg, den das aserbaidschanisch-türkische Tandem vom Zaun gebrochen hat, ist kein Krieg des aserbaidschanischen Volkes, sondern ein Krieg für den persönlichen Machterhalt von Ilham Aliyev», sagte der Politiker. Der autoritäre aserbaidschanische Präsident Aliyev hatte wiederum Armenien vorgeworfen, sein Land angegriffen zu haben.

Mit Stand Montagabend bestätigte Berg-Karabach insgesamt 89 Tote seit Sonntag, zuvor war von 58 die Rede gewesen. Aserbaidschan gab insgesamt 9 Todesfälle an, darunter Zivilsten. Es gab zudem viele Verletzte auf beiden Seiten.

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche und militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als verbündeten Bruderstaat.