5. August 2020 – Neil Young verklagt Trump-Team wegen Verwendung seiner Songs

Wegen Verwendung seiner Songs bei einer Ansprache von US-Präsident Donald Trump hat der kanadische Rockstar Neil Young (74) rechtliche Schritte gegen das Trump-Team eingeleitet. In einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung schreibt Young unter anderem, er könne es nicht erlauben, dass seine Musik als «’Titelsong‘ für eine spalterische, un-amerikanische Kampagne von Ignoranz und Hass» benutzt werde.

ARCHIV – Neil Young auf dem Roskilde Festival in Dänemark

Der Musiker veröffentlichte die Klageschrift am Dienstag auf seiner Webseite «Neil Young Archives». Sein Anwalt bestätigte der Nachrichtenseite «The Hill», dass die Klage bei einem Bezirksgericht in New York eingereicht wurde.

Die Vorwürfe drehen sich um die nicht genehmigte Verwendung der Songs «Rockin’ in the Free World» und «Devil’s Sidewalk». Sie wurden etwa im Juni bei einer Trump-Kundgebung in Tulsa (Oklahoma) gespielt. Young verlangt unter anderem Schadenersatz.

Der kanadische Musiker, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist ein überzeugter Demokrat. Schon 2015 hatte er sich beschwert, als Trump im Wahlkampf seine Songs verwendete.

Viele Musiker haben Probleme damit, dass Trump ihre Songs für Wahlkampfauftritte nutzt. So hatten etwa die Rolling Stones, Elton John, Ozzy Osbourne, Adele und zuletzt im Juni die Familie des 2017 gestorbenen Sängers Tom Petty den US-Präsidenten dafür kritisiert.


5. August 2020 – Mehr als 70 Tote und 3000 Verletzte bei Explosion in Beirut

Von Johannes Schmitt-Tegge und Weedah Hamzah, dpa

Der Libanon steckt derzeit in einer seiner schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Mitten in diesen politischen Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Retter zählen am Abend Dutzende Todesopfer und enorm viele Verletzte.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstag eine gewaltige Explosion mit Dutzenden Toten und mindestens 3000 Verletzten ereignet. Über der Stadt stieg am frühen Abend eine riesige Rauchwolke auf. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Zentrum und von großen Schäden. Durch die Wucht der Explosion am Hafen der Küstenstadt gingen Fenster zu Bruch, Straßen waren mit Trümmern und Glasscherben übersät. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört.

Die Hintergründe der Explosion blieben zunächst unklar. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es am Abend nicht. Das Auswärtige Amt zeigte sich «erschüttert». Auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft seien unter den Verletzten. Beirut mit seinen 2,4 Millionen Einwohnern wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt.

Soldaten stehen in der Nähe des Ortes der Explosion am Hafen.

Gesundheitsminister Hassan Hamad sagte am Abend, mehr als 70 Menschen seien getötet und weitere 3000 verletzt worden. Der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, Georges Kettaneh, berichtete der dpa ebenfalls von mehr als 2000 Verletzten. Augenzeugen sprachen von Leichen auf den Straßen und Menschen, die unter Trümmern verborgen seien. Die Armee half, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Bürger wurden aufgerufen, Blut zu spenden.

Videos vom Vorfall zufolge begann die Katastrophe mit einem Brand am Hafen. In dessen Rauchsäule sind mehrere kleinere Explosionen zu sehen, die an Feuerwerkskörper erinnern. Kurz darauf folgt eine gewaltige Detonation mit einer Pilzwolke und einer Druckwelle, die sich blitzschnell kreisförmig nach außen ausbreitet.

«Wir können keinen Ermittlungen zuvorkommen», sagte der Chef für innere Sicherheit, Abbas Ibrahim. Am Ort der Explosion sei aber hochexplosives Material gelagert gewesen. Auch Ministerpräsident Hassan Diab sagte, dass Fakten zu dem «gefährlichen Lagerhaus» am Hafen vorgelegt würden. Die Verantwortlichen würden «den Preis für dieses Desaster» zahlen.

Am Abend gab es Spekulationen, eine große Menge Ammoniumnitrat sei im Hafen explodiert. Die Zersetzung des Stoffs, der auch zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann, führt bei höheren Temperaturen zu Detonationen. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Düngemittelherstellung. Berichten zufolge hatten Behörden vor einigen Jahren mehr als 2700 Tonnen des Stoffs an Bord eines Schiffs sichergestellt und ihn seit mehreren Jahren im Hafen gelagert. Eine Regierungsquelle bestätigte, dass dort Ammoniumnitrat gelagert war.

Ein verwundeter Mann auf dem Parkplatz des Al Roum-Krankenhauses wartet auf seine Behandlung.

Im Internet kursierten Fotos von zerstörten Fenstern an Wohnhäusern und Trümmern auf den Straßen. Dutzende Autos wurden beschädigt. Ein Polizist sagte, die Schäden erstreckten sich kilometerweit. Kurz nach der Explosion fielen Telefon und Internet in der Stadt aus. «Wir saßen in unserem Wohnzimmer, und plötzlich fielen uns die Wand und Glas auf den Kopf», sagte ein Anwohner namens Rumi. Der Hafen liegt nur wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt.

«Ich war in der Küche und kochte, als ich plötzlich ins Wohnzimmer geworfen wurde», sagte eine Frau namens Aida. Auch ihre beiden Kinder seien verletzt worden. Ein älterer blutüberströmter Mann saß weinend vor einem Krankenhaus und wartete auf Behandlung. Ein neun Jahre alter Junge sagte, die Erschütterung habe sich angefühlt, als sei er gegen die Tür geworfen und auf den Kopf geschlagen worden.

Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. An diesem Freitag will das UN-Libanon-Sondertribunal in Den Haag sein Urteil gegen vier Angeklagte in dem Fall von 2005 verkünden. Viele im Libanon machen die Führung des Nachbarlandes Syrien für den Anschlag auf Hariri verantwortlich. Er hatte vor seinem Tod den Abzug der damals im Libanon stationierten syrischen Truppen verlangt.

Der Regierungspalast, die finnische Botschaft und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri wurden ebenfalls beschädigt. Am Suk Beirut, eine moderne Einkaufsgegend im Zentrum, zerbarsten Fensterscheiben vieler Geschäfte. Ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (Unifil) wurde ebenfalls beschädigt. Es seien mehrere Blauhelm-Marinesoldaten verletzt worden, einige von ihnen schwer, teilte die Mission mit. «Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Menschen im Libanon», sagte ein UN-Sprecher in New York.

Anwohner helfen bei der Evakuierung eines verletzten Matrosen von einem Schiff im Hafen von Beirut.

Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. Präsident Michel Aoun berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein. Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

Regierungen anderer Länder zeigten sich betroffen und stellten rasche Unterstützung in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich «erschüttert», wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer die Kanzlerin bei Twitter zitierte. «Wir werden dem Libanon unsere Unterstützung anbieten.» Deutschland stehe dem Libanon in der «schweren Stunde zur Seite», twitterte Außenminister Heiko Maas. Auch die Europäische Union, die USA und Frankreich – frühere Mandatsmacht des Libanon – stellten Unterstützung in Aussicht.

Selbst Israel, das mit dem benachbarten Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, bot über ausländische Kanäle «medizinische humanitäre Hilfe» an. Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. Spekulationen, dass Israel hinter der Explosion stecken könnte, räumte Außenminister Gabi Aschkenasi aus. Auch US-Präsident Trump wurde über die Situation unterrichtet. Er hält die Explosion für einen Terroranschlag.