24. Juli 2020 – Iran: Passagiermaschine über Syrien von Kampfflugzeugen bedroht

Zwei Kampflugzeuge nähern sich einer iranischen Passagiermaschine im syrischen Luftraum. Die Rede im iranischen Staatsfernsehen ist sofort von Erzfeind Israel. Aber es könnte auch der andere Erzfeind gewesen sein: der große Satan USA.

Eine iranische Passagiermaschine soll nach iranischen Angaben am Donnerstag im syrischen Luftraum von zwei fremden Kampfflugzeugen bedroht worden sein. Die Maschine der Mahan Air, Flug 1152, sei auf dem Weg Richtung Beirut schnell in den Sinkflug gegangen, um eine Kollision zu verhindern, berichtete der iranische Staatssender IRIB. Dabei hätten sich mehrere Passagiere verletzt.

Nach Angaben eines IRIB-Reporters, der selbst an Bord war, wurde vom syrischen Kontrollturm gesagt, dass es sich um zwei israelische Kampfjets gehandelt habe. Die hätten sich dem Verkehrsflugzeug bis auf 200 Meter genähert, behauptete der Reporter. Bei dem Sturzflug seien drei Passagiere leicht verletzt worden. «Das war nicht nur eine Bedrohung, sondern de facto ein Angriff der Zionisten (Israel) auf die iranische Maschine», sagte der Reporter.

ARCHIV – 22.01.2014, Iran, Teheran: Ein Flugzeug der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air am Flughafen Teheran-Mehrabad.

Syrien wies dagegen eher in Richtung US-Luftwaffe. Die syrische Staatsagentur Sana zitierte Vertreter des Luftfahrtamtes mit den Worten: «Ein Flugzeug, das zur US-geführten Koalition gehören soll, fing ein iranisches Verkehrsflugzeug in syrischem Luftraum im Gebiet von Al-Tanf ab und zwang den Piloten, in scharfen Sinkflug zu gehen. Dies führte zu kleineren Verletzungen bei Passagieren.» Die aus Teheran kommende Verkehrsmaschine habe ihren Flug nach Beirut fortsetzen können.

Auch das iranische Außenministerium wollte eine israelische Beteiligung an dem Vorfall nicht bestätigen. «Die Details des Vorfalls werden noch untersucht und danach werden wir politische und rechtliche Schritte einleiten», sagte Sprecher Abbas Mussawi nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Außerdem habe der Iran UN-Generalsekretär Antonio Guterres und die Schweizer Botschaft, die die diplomatischen Interessen der USA vertritt, über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Die iranische Regierung erwarte, dass die Maschine sicher und ohne Zwischenfälle sicher nach Teheran zurückfliegen könne, so der Sprecher.

Der Direktor des Beiruter Flughafens erklärte dem libanesischen TV-Sender New, die iranische Maschine sei um 20.30 Uhr Ortszeit in Beirut gelandet. «Alle Passagiere sind wohlauf, doch einige hatten kleinere Verletzungen», sagte er. «Doch die meisten litten unter Schock und Angst.» Der Leiter des libanesischen Roten Kreuzes, George Kettneh, erklärte der Deutschen Presse-Agentur: «Unsere Teams haben keine Verletzten in Krankenhäuser gebracht.» Die meisten Passagiere standen unter Schock, hieß es.

Im Internet kursierten Videos, die in dem Flugzeug aufgenommen worden sein sollen und Passagiere mit Schwimmwesten sowie Gegenstände auf dem Mittelgang zeigten. Die Echtheit der Aufnahmen war nicht festzustellen.