1. Juli 2020 – Keine Kritik in Gebieten unter Talibankontrolle erlaubt

Vor geplanten innerafghanischen Friedensgesprächen hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) eine strenge Herrschaft in Gebieten unter Kontrolle der islamistischen Taliban beklagt. Kritik an den Taliban sei nicht erlaubt, Gemeinschaften werde der Zugang zu Informationen erschwert und insbesondere Frauen hätten geringere Rechte, zeigt ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Organisation.

Auf 69 Seiten dokumentiert HRW, unter welchen Bedingungen Menschen in den mehrheitlich ländlichen Gebieten unter Taliban-Kontrolle leben. Vor den geplanten Friedensgesprächen warnt HRW, dass die Bedürfnisse der Leute unter Taliban-Kontrolle zu kurz kämen. «Die Taliban scheinen darauf aus zu sein, mittels Furcht zu herrschen, ohne den von ihnen kontrollierten Gemeinden gegenüber Rechenschaft abzulegen», sagte Patricia Gossman, Co-Direktorin für Asien bei HRW laut Bericht.

Die Taliban regierten Mitte der 1990er Jahre in Afghanistan, bevor eine von den USA angeführte internationale Militärintervention nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington ihrer Herrschaft ein Ende setzte. Seit 2006 sind sie wieder verstärkt aktiv und kontrollieren weite Teile des Landes. Seitdem habe die Gruppe einige ihrer härtesten Maßnahmen in den von ihnen kontrollierten Gebieten zurückgenommen. Trotzdem gebe es immer noch körperliche Strafen gegen sogenannte «moralische» Verbrechen. Insbesondere der Kontakt zu zivilen und militärischen Angehörigen der afghanischen Regierung werde bestraft. Kritik an militärische Aktivitäten der Taliban sei strengstens verboten.

Mädchen haben laut Bericht in Taliban-Gebieten oft wenig Zugang zu Bildung. Zwar gebe es Unterschiede in der Handhabung, viele Funktionäre und Kommandeure erlaubten Mädchen Schulbildung jedoch nur bis zur Pubertät. Die Taliban erklärten dem Bericht zufolge, dass sie Mädchen und Jungen Bildung den Gesetzen der Scharia und afghanischer Tradition nach erlauben. Strenge gesellschaftliche Regeln seien durch die konservativen Gemeinschaften selbst gewollt.