18. Juni 2020 – Corona-Ausbruch mit über 650 Neuinfizierten in Tönnies-Fleischfabrik

Große Schlachthöfe haben immer wieder mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Nun trifft es den Branchenriesen Tönnies: In der Fleischfabrik sind zuletzt mehr als 650 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden.

Mit über 650 Neuinfizierten allein seit Anfang der Woche nimmt der Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück immer größere Ausmaße an. Von den bislang fast 1.000 vorliegenden Testergebnissen der Mitarbeiter in dem Schlachthof und Fleisch-Zerlegebetrieb im ostwestfälischen Kreis Gütersloh seien über 650 positiv auf das Virus getestet worden. Weitere Ergebnisse stünden auch noch aus. Die Zeitungen «Westfalen-Blatt» und «Neue Westfälische» hatten zuvor darüber berichtet.

17.06.2020, Rheda-Wiedenbrück: Ein Lastwagen verlässt das Werksgelände von Tönnies.

Am Nachmittag wollten der Kreis Gütersloh und Tönnies bei einer Pressekonferenz über das Geschehen informieren. Das NRW-Gesundheitsministerium kündigte zudem an, im Gesundheitsausschuss des Landtages ausführlich zu informieren. Am Dienstag hatte das Unternehmen von 128 positiv auf das Virus getesteten Mitarbeitern gesprochen und Maßnahmen zugesagt, die Ausbreitung einzudämmen.

Bei einem großangelegten Corona-Reihentest durch die Gesundheitsbehörden nach einem Ausbruch in einer Fleischfabrik im Kreis Coesfeld im Mai waren bei Tönnies zunächst nur wenige Fälle festgestellt worden. Nach Unternehmensangaben wurde allerdings bei späteren Tests ein Infektionsherd identifiziert. Obwohl alle Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne geschickt worden seien, habe es weitere Infektionen in dem Schweinefleisch-Zerlegebetrieb gegeben.

Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, zeigte sich schockiert über den sprunghaften Anstieg: «Die Firma muss ihre Produktion runterfahren, soweit es eben geht», sagte der CDU-Politiker der «Neuen Westfälischen». Jetzt gelte es zu schauen, wo die Betroffenen und ihre Kinder untergebracht seien.


18. Juni 2020 – «Habe ihn erwischt» – Mordanklage nach Tod eines Schwarzen

Rayshard Brooks sei «fast schon fröhlich» gewesen, als die Polizisten ihn am Freitagabend in Atlanta ansprachen. Kurze Zeit später ist der Afroamerikaner tot. Einem Polizisten droht nun die Höchststrafe.

Nach dem Tod des Afroamerikaners Rayshard Brooks nach einem Polizeieinsatz in der US-Metropole Atlanta hat die Staatsanwaltschaft einen der beteiligten Beamten unter anderem wegen Mordes angeklagt. Der Polizist habe übermäßige Gewalt angewendet, sagte Staatsanwalt Paul Howard am Mittwoch in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Der Getötete habe zuvor in mehr als 40 Minuten der Unterhaltung «niemals irgendein aggressives Verhalten gezeigt» oder eine Bedrohung dargestellt. Im Falle einer Verurteilung droht dem Beamten lebenslange Haft ohne Bewährung oder sogar die Todesstrafe.

14.06.2020, USA, Atlanta: Eine Künstlerin malt auf dem Parkplatz des Schnellrestaurants «Wendy’s», der zum Ort von Polizeigewalt und einer Tötung wurde, ein Bild des Opfers. Foto: Steve Schaefer/Atlanta Journal-Constitution/AP/dpa

Der Tod des 27-Jährigen nach dem Einsatz hatte die landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA nach dem Fall George Floyd in Minneapolis weiter angeheizt. Brooks war am Freitagabend am Steuer seines Wagens eingeschlafen, als er in der Schlange an einem Schnellrestaurant wartete. Die hinzugerufenen Polizisten stellten fest, dass er zu viel getrunken hatte und wollten ihn festnehmen. Es kam zu einem Handgemenge, Brooks griff nach einem Elektroschockgerät eines Beamten und floh. Einer der beiden Polizisten feuerte Schüsse ab, die ihn im Rücken trafen und tödlich verletzten. Er wurde fristlos entlassen, der andere Beamte vorläufig suspendiert.

Brooks Verhalten vor der Eskalation sei Staatsanwalt Howard zufolge kooperativ und «fast schon fröhlich» gewesen. Nachdem der Mann zu Boden gegangen war, habe der nun angeklagte Polizist den am Boden Liegenden zusätzlich getreten. Über zwei Minuten habe sich niemand um den 27-Jährigen gekümmert, während er um sein Leben gekämpft habe. Eine Kugel des Polizisten hatte Brooks demzufolge ins Herz getroffen. In einer ersten Aussage habe der Polizist danach «Ich habe ihn erwischt» gesagt.

Nach Howards Angaben wurde auch der zweite beteiligte Polizist angeklagt, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung. Er hatte sich auf die Schultern des Sterbenden gestellt, wie auf Aufnahmen zu sehen gewesen sei. Er habe sich zudem auch bereit erklärt, als Zeuge auszusagen. Für die Anklagen hatten die Ermittler nach eigenen Angaben insgesamt acht Videos, darunter die Körperkameras der Polizisten, ausgewertet. Zudem seien Zeugen vernommen und eine ballistische Analyse sowie der vorläufige Autopsiebericht eingesehen worden.

15.06.2020, Atlanta: Tomika Miller, die Ehefrau des getöteten Rayshard Brooks, mit ihrer Tochter Memory – Foto: Curtis Compton/Atlanta Journal-Constitution/AP/dpa

Brooks starb weniger als drei Wochen, nachdem der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Bundesstaat Minnesota ums Leben gekommen war. Floyds Schicksal hat anhaltende Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst.

Das Schnellrestaurant in Atlanta, auf dessen Parkplatz die Tat geschah, ging in der darauffolgenden Nacht in Flammen auf. Atlantas Polizeichefin Erika Shields trat zurück.

Die Bürgermeisterin Atlantas, Keisha Lance Bottoms, hatte am Montag eine Polizeireform angekündigt. Polizisten müssten «Beschützer sein, nicht Krieger», sagte die Bürgermeisterin am Montag. Sie erlasse Verordnungen, um die Gewaltanwendung durch Polizisten auf das Nötigste zu begrenzen. Alle Beamte müssten künftig immer wieder in Deeskalation geschult werden, erklärte sie. Zudem müssten alle Polizisten künftig bei exzessiver Gewaltanwendung durch Kollegen einschreiten und diese auch melden, um Strafen zu entgehen.